Kapitalismus

„Shocking Waste“

Neues aus dem vernünftigsten Wirtschaftssystem aller Zeiten:

More than 11m homes lie empty across Europe – enough to house all of the continent’s homeless twice over – according to figures collated by the Guardian from across the EU. […]
On top of the 11m empty homes – many of which were bought as investments by people who never intended to live in them – hundreds of thousands of half-built homes have been bulldozed in an attempt to shore up the prices of existing properties.
Housing campaigners said the „incredible number“ of homes lying empty while millions of poor people were crying out for shelter was a „shocking waste“. […]
There are 4.1 million homeless across Europe, according to the European Union.

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Linkliste „Kollaps“

Und Du? (via)

Was will er denn nun? Weltuntergangsprophezeiungen von irgendwelchen Öko-Spinnern? Hatten wir das nicht schon einmal? Nun…

Die Grenzen des Wachstums

Die Studie „The Limits to Growth“ gilt heute mancherorts als Paradebeispiel für längst widerlegten Öko-Wahnsinn. Neuere Studien zeichnen ein anderes Bild: Der Kollaps der Industriegesellschaft ist tatsächlich nicht unwahrscheinlich. Wo stehen wir wirklich?

Klimawandel

Tomasz Konicz fasst zusammen:

Der exponentiell wachsende Treibhausgasausstoß ließ die CO2-Konzentration in der Atmosphäre auf inzwischen rund 390 ppm (parts per million) ansteigen, während die natürliche Fluktuation der Kohlendioxidkonzentration sich in den vergangenen 800.000 Jahren zwischen 170 und 300 ppm bewegte. Laut einer innerhalb der Klimawissenschaft dominanten Hypothese wird ab einer CO2-Konzentration von mehr als 450 ppm – die einem globalen Temperaturanstieg von zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter entspricht – der Klimawandel irreversibel beschleunigt, da ab diesem Grenzwert ein tipping point (Kippunkt) des Klimasystems erreicht würde, der eine Kaskade sich selbst verstärkender Rückkopplungseffekte auslösen würde, bei denen die Treibhausgasemissionen ohne weiteres menschliches Zutun über einen sehr langen Zeitraum immer weiter zunehmen würden.

Und die Zeit wird knapp:

Die Internationale Energieagentur IEA geht davon aus, daß der point of no return bereits 2017, in fünf Jahren also, erreicht sein wird. »Die Tür schließt sich gerade«, warnte Fatih Birol, Chefökonom der IEA, Ende 2011. Der realexistierende Energiesektor der Weltwirtschaft emittiere bereits rund 80 Prozent des »Kohlendioxidbudgets«, das bis zum Erreichen des Kippunkts von 450 ppm noch übrig sei. 2015 werden es schon 90 Prozent sein. »Wenn wir nicht jetzt die Richtung ändern, wie wir Energie nutzen, werden wir über dem von der Wissenschaft angegebenen Minimum landen«, so Birol. Dennoch gebe es nur »wenige Anzeichen dafür, daß der dringend benötigte Richtungswechsel der globalen Energietrends« eingeleitet wurde, hieß es in einem korrespondierenden IEA-Bericht.

Den Stand Ende 2013 hat Dahr Jamail hier zusammengefasst. Guy McPherson sammelt hier regelmäßig Informationen zum aktuellen Stand des Klimawandels. Bis Februar 2014 hat er nicht weniger als 29 positive Rückkopplungseffekte identifiziert. Nun gibt es gewiss gute Gründe, seine Daten für Panikmache zu halten. Einerseits. Andererseits fand man im Oktober 2013 heraus, dass vor 55 Millionen Jahren ein plötzlicher globaler Temperaturanstieg stattgefunden hat – nicht wie bishalb angenommen innerhalb von 10.000 Jahren, sondern in 13 Jahren. Und das ist noch nicht alles. McPherson sieht im Klimawandel nur eine von mehreren tödlichen Menschheitskatastrophen. Selbst abzüglich einiger Übertreibungen ist es ernst. [Update 17.03.2014: Hier eine ausführlichere Kritik an McPherson.]

Artensterben

Sehr wahrscheinlich hat der Mensch das größte Artensterben seit dem Ende der Dinosaurier ausgelöst. Einen Überblick über die neuesten Entwicklungen findet man hier. Klar ist jedenfalls, dass die Zerstörung der Biodiversität die Ernährungsgrundlagen der Menschheit bedroht.

Atomkraftwerke

Gewiß, die verdienen eigentlich einen eigenen Eintrag. Hier sei aber auf eine dritte mögliche Menschheitskatastrophe hingewiesen: 400 Tschernobyls auf einmal, wenn Peak Oil und eine Störung der Stromnetze zusammenkommen.

Ressourcenschwund

Bereits 2005 waren zwei Drittel der irdischen Ressourcen verbraucht. Nicht nur Öl, sondern auch andere Rohstoffe werden allmählich knapp.

Es ist also ernst – und auch die erneuerbaren Energien allein werden wahrscheinlich nicht helfen, wenn wir Tom Murphy, Gail Tverberg und Ted Trainer glauben dürfen. Die Diskussion ist kontrovers; es wird aber wohl nicht schaden, den Ressourcenverbrauch der Menschheit so schnell wie möglich so weit wie möglich zu reduzieren. Das Buzzword der Stunde ist Resilienz. Unter Resilience.org findet man zahlreiche weitere Ressourcen zum Thema.

Blogs zum Thema

UPDATE (06.08.2014): If We Release a Small Fraction of Arctic Carbon, ‚We’re Fucked‘: Climatologist

Linkliste „Alternative Ökonomie“

Hier eine vorläufig weitgehend unkommentierte Linkliste zum Thema „Alternative Ökonomie“. Hier sind auch Ansätze vertreten, die Staat und Markt mehr oder weniger affirmativ gegenüberstehen – wieviel der Mensch davon wirklich braucht, mag die Praxis entscheiden. Zunächst einmal sollen hier überhaupt Alternativen und Gegenmodelle gesammelt werden.

Linkskeynesianismus

Die Nachdenkseiten, die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik und flassbeck-economics lassen sich wohl grob dem Linkskeynesianismus zuordnen. Auch wenn dieser Ansatz m. E. nicht weit genug geht, könnte eine clevere Massenbewegung staatliche Umverteilungsinstrumente vielleicht nutzen, um wirkliche Alternativen aufzubauen; einen möglichen Ansatz hat der Schweizer Autor P. M. [Hans Widmer] mit seinem „Green New Deal“ vorgeschlagen.

Freiwirtschaft

Die Freiwirtschaft geht auf Überlegungen des umstrittenen Silvio Gesell zurück. Heute wird dieses Modell von Leuten wie Helmut Creutz und der Humanwirtschaftspartei vertreten. Ich bin skeptisch.

Gemeinwohl-Ökonomie

Ein Modell von Christian Felber. Es geht um den Versuch, Unternehmertum und Gemeinwohl zu vereinen. Auch hier besteht bei aller Kritik vielleicht die Möglichkeit Geld für radikalere [i. S. v. „an die Wurzel gehende“] Ansätze lockerzumachen.

Marktsozialismus/Ökonomische Demokratie

Auch als Freund des Bedürfnisprinzips kommt man nicht um die Tatsache herum, dass erst einmal Weltmarkt ist. Insofern sind die Überlegungen David Schweickarts selbst dann interessant, wenn Meinhardt Creydt recht behalten sollte.

Gildensozialismus

Der Gildensozialismus wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Autoren wie G. D. H. Cole (z. B. in Guild socialism re-stated von 1920) und Bertrand Russell (Proposed Roads to Freedom von 1918) vertreten. Russells Kritik am Anarchismus beruht m. E. weitgehend auf Fehleinschätzungen, aber wer einen Mittelweg zwischen Staatssozialismus und Anarchismus sucht, findet bei ihm einen interessanten Ansatz.

Anarchismus

Der Anarchismus kennt im Wesentlichen drei wirtschaftliche Ansätze: Mutualismus, Kollektivismus und Kommunismus, die jeweils für Markt, Leistungsprinzip und Bedürfnisprinzip stehen. Die meisten Anarchisten bevorzugen Letzteres, sind aber auch für andere Ansätze offen. In der Praxis werden die Ansätze bunt kombiniert. Einen Überblick gibt es bei Horst Stowasser und im Anarchist FAQ.

Planwirtschaft

Viele halten das Thema „Planwirtschaft“ mit dem Ostblock für erledigt – dabei gibt es zahlreiche Ansätze, die sich um eine Vermeidung der dort gemachten Fehler bemühen. Die Gruppe Paeris hat einige Beispiele gesammelt (einige Links und Anmerkungen ergänzt):

Solidarische Ökonomie & Commons

„Solidarische Ökonomie (SÖ) bezeichnet Formen des Wirtschaftens, die menschliche Bedürfnisse auf der Basis freiwillige Kooperation, Selbstorganisation und gegenseitiger Hilfe befriedigen.“ (Quelle) Hier geht es ganz praktisch um alternatives Wirtschaften. Commons hatte ich hier schon kurz vorgestellt. Infos dazu gibt es z. B. bei Gemeingüter.de, Silke Helfrich und Brigitte Kratzwald. Andreas Exner beschreibt Beispiele solidarischen Wirtschaftens wie venezolanische Kooperativen, den baskischen Mondragón-Konzern und die israelische Kibbutz-Bewegung.

Verschiedenes

Ihr Chaoten!

Ein Zustand voller Chaos und Gewalt, ohne Recht und Ordnung, wie heißt der wohl?

Richtig, Anomie. Aber warum sollte ein Journalist auch Deutsch können. So ist denn die öffentliche Meinung durchaus der Ansicht, Anarchisten gedanklich nach Somalia („Anarchie“) schicken zu können, denn das muss ja so ungefähr sein, was diese linken Spinner wollen, nicht wahr?

Was unsereinem dagegen tatsächlich als Ideal vorschwebt, ist „die Anarchie im ursprünglichen Sinne: Ordnung durch Bünde der Freiwilligkeit“ (Gustav Landauer). Wie das in der Praxis aussehen kann, werden wir uns hier noch anschauen. An dieser Stelle sei aber zunächst einmal eine Retourkutsche erlaubt:

Wenn wir unter >Anarchie< einmal die landläufige negative Bedeutung verstehen wollen, nämlich Chaos, so haben wir sie heute: weltweit und flächendeckend. Ein System, in dem genug Nahrung produziert wird und wo dennoch Tag für Tag zigtausende Menschen verhungern, ist ein Irrsinn. Ein System, das periodisch organisierte Massenmorde anordnet, ist unmenschlich. Ein System, das diesen Planeten zunehmend ausplündert und unbewohnbar macht, ist selbstmörderisch. Ein System, das zehn Prozent der Menschheit Reichtum beschert und die große Mehrheit der Ärmsten immer weiter ausplündert, ist niederträchtig. Ein System, das seine Bürger nur dadurch davon abhalten kann, sich gegenseitig umzubringen, in dem es sie wiederum selbst mit dem Tod bedroht, ist eine moralische Bankrotterklärung.
Wenn Anarchisten in einer Diskussion ein solches System ernsthaft vorschlügen, würden sie mit Recht ausgelacht. Man müsste sie Zyniker nennen. Aber dieses System haben wir heute überall, es herrschaft auf jedem Stückchen Land dieser Erde, und wir leben mittendrin. Es ist das staatliche System. Ein Konstrukt, das unterm Strich völlig versagt und weltweit ein Chaos von unvorstellbarem Ausmaß hervorbringt. Wir nehmen es nur nicht wahr, denn wir sind gewohnt, in zweierlei Maß zu denken. Vergessen wir nicht: Staat existiert nicht nur in unseren liberalen, westlichen Demokratien, in denen es sich zugegebenermaßen besser leben lässt – Staat, das ist auch Bangladesch und Burkina Faso, Haiti und Usbekistan, Ruanda und Kambodscha, Weißrussland und der Sudan.

(Horst Stowasser: Anarchie! Idee. Geschichte. Perspektiven. Hamburg 2007. S. 37. Frühere Ausgabe unter „Freiheit Pur“ hier im Netz verfügbar. Dort S. 35.)

Working for the Few

  • Almost half of the world’s wealth is now owned by just one percent of the population.

  • The wealth of the one percent richest people in the world amounts to $110 trillion. That’s 65 times the total wealth of the bottom half of the world’s population.

  • The bottom half of the world’s population owns the same as the richest 85 people in the world.

  • Seven out of ten people live in countries where economic inequality has increased in the last 30 years.

  • The richest one percent increased their share of income in 24 out of 26 countries for which we have data between 1980 and 2012.

  • In the US, the wealthiest one percent captured 95 percent of post-financial crisis growth since 2009, while the bottom 90 percent became poorer.

(Oxfam 2014)

Was soll das hier?

Es heißt, zum Kapitalismus gebe es „keine Alternative“. Das wollen wir doch mal sehen. So vernünftig ist er nämlich gar nicht, wenn Sie hier mal reinschauen:

Instead of engaging in the usual moralistic leftist critique of capitalism, this pamphlet tackles the subject head on, on its own turf—economics—and demolishes the common belief that „capitalism delivers the goods.“ Sheppard does this through close consideration of 10 of the most outstanding inefficiencies of capitalism—things such as manufacture of false desires, product duplication, cost-shifting, systemic unemployment, waste of unsold goods, and the inefficiency of hierarchies. Through this analysis, Sheppard shows that, given the labor and resources at hand, capitalism is a horribly wasteful system that produces a pitifully small amount of useful goods and services. (Quelle)