Anarchismus? Commons?

Schon klar, jeder „Ismus“ macht misstrauisch, und Sie stellen sich unter „Anarchie“ sicherlich Chaos und Gewalt vor. Dazu kommen wir noch. Fürs Erste bauen wir vielleicht ein paar Ängste ab, wenn wir Noam Chomsky zitieren:

Es ist meines Erachtens vollkommen richtig, in jedem Aspekt des Lebens die jeweiligen autoritären, hierarchischen und herrschaftsbestimmten Strukturen ausfindig zu machen und klar zu umreißen, und dann zu fragen, ob sie notwendig sind; wenn es keine spezielle Rechtfertigung für sie gibt, sind sie illegitim und sollten beseitigt werden, um den Spielraum der menschlichen Freiheit zu erweitern.

Anarchistische und anti-autoritäre Ideen haben einen großen Einfluß auf die Neuen Sozialen Bewegungen. Ein besonders interessantes Beispiel ist für mich die Commons-Bewegung:

Commons bestehen […] immer aus drei Elementen, einer Ressource (die stofflich oder immateriell sein kann), den Menschen, die diese Ressourcen nutzen (in der Literatur häufig Commoners genannt) und dem Aushandlungsprozess darüber, wie diese Ressource genutzt werden soll, also den Aneignungsregeln. Commons sind eine soziale Beziehung und sie entstehen aus einer sozialen Praxis, die wir Commoning nennen, die gemeinsame Sorge um etwas, sei es ein Gemeinschaftsgarten, ein genossenschaftliches Unternehmen oder der freie Internetzugang.
Diese Art sozialer Arrangements unterscheidet sich grundsätzlich von der kapitalistischen Produktion: In ihrer emanzipatorischen Idealform verwirklichen Commons die Überwindung von Privateigentum, Knappheit, Lohnarbeit, Wettbewerb und Markt. Auch wenn in einer kapitalistischen Umgebung Commons nie ganz ohne Geld auskommen, können sie doch eine Orientierung bieten für die Entwicklung nicht kapitalistischer Produktionsweisen. Es entstehen dort kreative “dissidente Praktiken” im Umgang mit Arbeit, Geld und Privateigentum, die über den Kapitalismus hinausweisen. Weil Commons auch die Entscheidungsinstanzen für die Nutzung der Ressourcen umfassen, beinhalten sie tendenziell auch neue, substanziellere Formen der Demokratie.

(Andreas Exner / Brigitte Kratzwald: Solidarische Ökonomie & Commons. Wien 2012. S. 23f.)

Der Commons-Diskurs ist für jede Weltanschauung anschlußfähig:

Konservative erfreut das bewahrende und gemeinschaftliche an den commons, Liberale erfreut die Staatsferne und nicht völlige Marktinkompatibilität, Anarchisten die Selbstorganisation, Sozialisten und Kommunisten der gemeinsam kontrollierte Besitz.

Der Commons-Diskurs bietet also eine Möglichkeit, Anarchisten und Nicht-Anarchisten miteinander ins Gespräch über „Spielräume menschlicher Freiheit“ zu bringen. Dieses Schaubild über die Logik der Commons bildet ein ziemlich anarchistisches Programm ab. Warum nicht Schritt für Schritt dieser Logik folgen und einfach mal schauen, wie weit man kommt?

logic-of-the-market-and-the-commons-chart

Schlimmstenfalls landet man bei einem „Kapitalismus 3.0“, im besten Falle aber bei Erich Mühsam: „Alles für alle durch alle!“

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